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ACES – womxn 4 Volleyball

Das Team von ACES | Womxn4Volleyball setzt sich für mehr Frauen* in Führungs- und Trainerinnenrollen im Volleyball ein. Ziel ist es, Frauen* langfristig im Volleyball zu halten, ihre Entwicklung zu fördern und eine unterstützende Community für weibliches Leadership im Sport aufzubauen. Dafür setzen sie auf Sichtbarkeit, Mentoring und Weiterbildung.

Über 80 Prozent der Trainer*innen im deutschen Spitzenvolleyball sind männlich – obwohl mehr Frauen* als Männer in Volleyballvereinen gemeldet sind. ACES | Womxn4Volleyball will das ändern. Die Plattform vernetzt Frauen* im Volleyball, macht ihre Geschichten sichtbar und begleitet sie auf dem Weg von der Spielerin* an die Seitenlinie und in Führungsrollen. Gegründet 2023 von Dr. Elena Kiesling und Christy Swagerty, seit 2024 mit Kerstin Dudichum-Kiene zu dritt.


Vier Fragen – Vier Antworten mit ACES | Womxn4Volleyball


Warum braucht es eine Plattform wie ACES | Womxn4Volleyball?

Weil wir eine Sportart spielen oder coachen, in der über fünfzig Prozent der Mitglieder Frauen* sind, aber wenn man sich die Trainer*innenbänke der Profligen anschaut, sitzen da in Deutschland in der nächsten Saison genau zwei weibliche Head Coaches auf der Bank. In den USA sind es fast fünfzig Prozent.  

Die Frage nach dem Warum ist komplex und wird nicht einfach zu beantworten sein. Dafür braucht es Plattformen wie ACES, um mit einem interdisziplinären und auch intersektionellen Blick auf das Thema zu schauen. 

Plattformen wie unsere braucht es aber auch, um eine erste Anlaufstelle für weibliche Trainer*innen zu bieten, wenn sie Unterstützung oder Informationen brauchen. So werden hinter isolierten Erfahrungen Muster erkennbar und es bietet sich die Möglichkeit, als Gemeinschaft mehr bewegen zu können. 

Wer sieht, dass es innerhalb des gleichen Systems mehr Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen machen, erkennt irgendwann eine Struktur und damit wird ein persönliches Problem vielleicht sogar zu einer politischen Fragestellung. 

Wir verstehen ACES deshalb als Plattform, die auf der einen Seite gemeinsames Interesse bündelt, Ressourcen teilt, aber eben auch Grassroots-Arbeit betreibt, um ganz unterschwellig Veränderungen herbeizuführen.

Wir bieten also eine Art Infrastruktur: einen Ort für Austausch, sichtbare Vorbilder, Clinics, in denen Spielerinnen zum ersten Mal selbst coachen, und Wissen, das geteilt statt gehortet wird. 

Dabei wollen wir das natürlich gar nicht dauerhaft tun, denn im Idealbild braucht es uns gar nicht mehr, weil die Strukturen aufgehört haben (un)systematisch auszusortieren. 

Wie ist der Status quo im Volleyball? Warum streben so wenige Spielerinnen nach ihrer aktiven Laufbahn eine Karriere als Trainerin an?

Die Zahlen

In der Saison 2026/27 spielen 92 Mannschaften in den Bundesligen des Deutschen Volleyball-Verbands. 18 davon werden von einer Frau* trainiert. Das entspricht 19,6 Prozent. Und diese 18 Trainerinnen* stehen ausnahmslos an der Seitenlinie von Frauenteams. In den vierzig Männerteams der 1. und 2. Bundesliga gibt es keine einzige Cheftrainerin*.

In den Frauenligen liegt der Anteil bei 34,6 Prozent und er nimmt mit jeder höheren Ligaebene ab. In der 2. Bundesliga Süd wird knapp jedes zweite Team von einer Frau* trainiert (neun von 13), in der Nordstaffel sind es vier von 14, in der 2. Liga Pro noch zwei von 13. In der 1. Bundesliga der Frauen*: drei von zwölf.

Über beide 1. Bundesligen zusammen ergibt das drei Cheftrainerinnen* bei 26 Teams, also 11,5 Prozent. Bei den Assistenztrainerinnen* liegt der Anteil bei rund 15 Prozent. Bei der Frauen-EM 2023 gab es genau eine weibliche Cheftrainerin* im gesamten Turnier.

Das steht in einem auffälligen Widerspruch zur Basis: In deutschen Volleyballvereinen sind sogar etwas mehr Frauen* als Männer gemeldet, und die Profiligen der Frauen* stehen sportlich wie wirtschaftlich mindestens auf Augenhöhe mit denen der Männer. Zum Vergleich: In der NCAA Division I lag der Anteil weiblicher Cheftrainerinnen im Volleyball in der Saison 2019/20 bei knapp 50 Prozent. Es ist also keine Frage von Talent oder Interesse, sondern muss aus unserer Sicht strukturelle Gründe haben. 

Die Gründe

Wir erheben dazu selbst Daten, weil die Forschungslage im Volleyball dünn ist. Aus dem, was uns bisher berichtet wird, zeichnen sich fünf Muster ab:

  • Vereinbarkeit. Traineramt heißt Abende, Wochenenden und Auswärtsfahrten. Care-Arbeit ist weiterhin ungleich verteilt. Das trifft Frauen* härter, auch wenn natürlich auch Männer betroffen sind. 
  • Bezahlung. Ein Großteil der Trainerinnentätigkeit ist schlecht oder gar nicht bezahlt. Wer ohnehin weniger verdient, kann sich das schlechter leisten.
  • Fehlende Vorbilder. Was man nie gesehen hat, hält man selten für einen gangbaren Weg.
  • Ausbildungskultur. Viele Frauen* berichten, dass sie sich in Trainer*innenausbildungen unwohl fühlen - vom Umgang, bis zur Tatsache, oft die Einzige im Raum zu sein.
  • Keine Lust auf den Dauerkampf. Sich in männlich dominierten Strukturen ständig behaupten zu müssen, kostet Energie. Viele entscheiden sich irgendwann rational dagegen.

Dazu kommt ein Punkt, den man nicht ausklammern kann: Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und Grenzüberschreitungen im Sport sind keine Randerscheinung. Wer solche Strukturen erlebt hat, kehrt nicht unbedingt freiwillig in sie zurück. 

Und schließlich: Der Übergang von der Spielerin* zur Trainerin* ist in Deutschland kaum organisiert. In den USA, in Japan und Thailand coachen Jugendliche mit 12 bis 14 Jahren ihre ersten Gruppen, Leadership und Coaching  ist Teil der Sportsozialisation. Bei uns endet die Laufbahn oft einfach – ohne dass jemand fragt, was danach kommt. Die meisten Athletinnen* verlassen den Sport, weil ihnen niemand einen anderen Weg gezeigt hat.


Welche konkreten Angebote habt ihr, um diesen Zustand zu ändern?

  • Community und Vernetzung. Über unseren Discord-Kanal tauschen Frauen* im Volleyball Ideen, Ressourcen, Stellenausschreibungen und Erfahrungen aus – länderübergreifend, unter anderem mit Kontakten nach Österreich, in die Schweiz, nach Frankreich und Spanien.
  • Sichtbarkeit. Auf Website und Instagram porträtieren wir Trainerinnen* und Führungsfrauen* aus dem Volleyball, zum Beispiel in unserer Spotlight-Reihe. Sichtbare Vorbilder sind die günstigste und wirksamste Maßnahme, die wir kennen.
  • Camps und Clinics als Coaching-Einstieg. Christy hat in Altdorf ein zweimal jährlich stattfindendes Mädchen*-Volleyballcamp aufgebaut, in dem eigene Spielerinnen auch an das Trainer*innen-Dasein herangeführt werden. Mehrere von ihnen leiten inzwischen selbst Teams. Im Oktober 2025 haben wir gemeinsam mit der TG Bad Soden und dem TV SUSPA Altdorf eine Volleyball-Clinic in Bad Soden ausgerichtet – Christy und Kerstin coachten dort mit Spielerinnen* beider Vereine junge Talente.
  • Peer-Mentoring. Wir unterstützen uns gegenseitig und supporten Trainerinnen*, die am Anfang ihrer Trainerinnen*-Karriere stehen.
  • Datenerhebung. Wir sammeln Zahlen und Erfahrungsberichte, weil man nur verändern kann, was man belegen kann.

 


ACES

A – Authenticity | Authentizität

Wir müssen uns nicht verstellen, um ernst genommen zu werden. Eine der hartnäckigsten Storylines lautet, dass Frauen* männlich konnotierte Eigenschaften zeigen müssen, um als Führungskraft wahrgenommen zu werden – lauter, härter, unnahbarer. Das stimmt nicht, und es kostet enorm viel Energie. Authentizität heißt für uns: Wir bringen unsere ganze Person an die Seitenlinie und definieren Führung nach unseren eigenen Maßstäben.

C – Community | Gemeinschaft

Das Narrativ des Mangels sagt: Oben ist nur Platz für wenige, also müssen wir übereinander hinwegsteigen. Wir halten das für falsch und für schädlich. Es gibt genug Führungsrollen für uns alle. Gemeinschaft heißt konkret: Wir teilen Kontakte, empfehlen einander weiter, geben Wissen weiter und feiern die Erfolge anderer, statt sie als Konkurrenz zu lesen. Wir gewinnen, indem wir uns gegenseitig unterstützen.

E – Expertise

Der Weg von der Jugendspielerin* über die Aktive zu unterstützenden Rollen im Team und im Verein bis in die Leitung steckt voller Wissen: über das Spiel, über die körperlichen, mentalen, emotionalen und sozialen Anforderungen, über Teams und darüber, was ein Verein zum Funktionieren braucht. Diese Expertise ist vorhanden – sie wird nur oft nicht als solche anerkannt, am wenigsten von den Frauen* selbst. Wir machen sie sichtbar, benennen sie und qualifizieren weiter.

S – Sustainability | Nachhaltigkeit

Uns geht es nicht um ein Vorbild, oder eine Vorzeige-Trainerin* pro Liga. Uns geht es darum, dass Frauen* im Sport bleiben und, dass die Strukturen sie halten. Nachhaltigkeit heißt: Übergänge organisieren statt Karriereenden einfach so hinnehmen. Es heißt auch Bedingungen zu schaffen, unter denen ein Trainer*innenamt neben Beruf und Familie überhaupt möglich ist, und Veränderungen so zu verankern, dass sie nicht wieder verschwinden, sobald ein Projekt ausläuft.

 


Vernetzung und Unterstützung

Ihr wollt mit ACES | Womxn 4 Volleyball in Kontakt treten, Teil der Community werden oder eine Clinic in eurem Verein? So erreicht ihr uns:

Website:www.womxn4volleyball.com
Instagram:@womxn4vb
Community: Discord – Zugang über die Anmeldung auf der Website
Newsletter: Anmeldung über die Website

Wer uns unterstützen möchte, ohne selbst im Volleyball zu sein: teilt die Porträts unserer Trainerinnen*, empfehlt Frauen* aktiv weiter, wenn ein Verein eine Trainerin* sucht, und fragt in eurem eigenen Verband einmal nach, wie die Verteilung dort eigentlich aussieht. Sichtbarkeit ist der Anfang von allem.